NRW hält zusammen

Fachkräftemangel im Handwerk

KH-Hauptgeschäftsführer Detlef Schönberger informierte beim Rotary-Club Soest-Lippstadt

Der Fachkräftemangel im Handwerk war bestimmendes Thema eines Vortrages von Detlef Schönberger (Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe) vor den Rotariern des Clubs Soest-Lippstadt.

Im Soester „Pilgrimhaus“ stellte der 52jährige Wirtschaftsexperte zunächst die Bedeutung Handwerks heraus: Bundesweit rund 1 Million Betriebe, 5,5 Millionen Beschäftigten, 365 Tausend Ausbildungsverhältnissen und 581 Milliarden Euro Umsatz sind die Kennzahlen der Branche. Schönberger führte aus, eine Berufsausbildung im dualen System schaffe nach wie vor ein solides berufliches Fundament. „Damit ist die berufliche Zukunft der jungen Menschen, insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Studienabbruchquoten, gesichert.“ Das praktische Know-how mit konkreter Baustellen- und Werkstatterfahrung und einer hohen Umsetzungskompetenz im Betriebsalltag könne als wesentlicher Erfolgsfaktor auch für spätere Studienabsolventen gesehen werden. 
Die Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe selbst habe derzeit rund 2.800 Mitgliedsunternehmen in 39 Innungen und 3.800 Auszubildenden jährlich.

Schönberger wies auf die ausgezeichneten Karrierechancen im Handwerk hin mit Meisterbrief, Übernahme eines Handwerksunternehmens (in den nächsten 10 Jahren suchen deutschlandweit rund 200.000 Unternehmen einen Nachfolger!) und Aufnahme eines fachbezogenen Studiums selbst ohne Abitur. Leistungsstarke Jugendliche könnten zudem sogenannte „Duale Studiengänge“ (Meister + Studium) und sogar „Triale Studiengänge“ (Ausbildung + Meister + Studium) in zeitlich sehr kompakter Form belegen.

Fatale Entwicklung muss umgekehrt werden
Die Situation am Ausbildungsmarkt sei auch gesamtgesellschaftlich sehr problematisch: Im Herbst 2018 konnten bundesweit rund 17.400 Ausbildungsstellen im Handwerk nicht besetzt werden. „Gleichzeitig haben 2014 erstmals mehr Jugendliche ein Studium als eine Berufsausbildung begonnen. Diese für Deutschland fatale Entwicklung gilt es wieder umzukehren,“ zeigte sich Schönberger überzeugt und fügte in diesem Kontext ein Zitat des bis 2018 amtierenden Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Horst Hippler, ein: „Deutschland hat sich von der OECD aufschwatzen lassen, dass wir mehr Akademiker brauchen – und dabei ignoriert, dass es bei uns das System der dualen Ausbildung gibt.“ 
Detlef Schönberger erläuterte Beispiele für den auch vor Ort bestehenden Handwerkermangel. Dabei wies er unter anderem auf einen Pressebericht im Soester Anzeiger vom 05.06.2018 über erfolglose Ausschreibungen der Städte und Gemeinden hin. Handwerker/innen wären händeringend gesucht.

Besetzungsprobleme am Ausbildungsmarkt
Allein in der -online erreichbaren- Ausbildungsbörse der Kreishandwerkerschaft seien aktuell 124 freie Ausbildungsstellen der Innungsbetriebe in der heimischen Region zu finden. Als primäre Ursache für dieses Besetzungsproblem am Ausbildungsmarkt nannte der Experte die Wertigkeitswahrnehmung von Handwerksberufen bei Schülern, Eltern und Lehrern: Wie bewerten diese etwa den Beruf des Metallbauers oder eines Anlagenmechanikers SHK? Häufig entsprächen diese Berufe nicht den elterlichen Vorstellungen, und die Schüler/innen seien nicht ausreichend über die sehr guten Karrieremöglichkeiten informiert. Auch die Höhe der Ausbildungsvergütung könne nicht wirklich entscheidend sein: Ein Maurer-Azubi läge mit 1.475 EUR im dritten Ausbildungsjahr deutlich höher als etwa ein Bankkaufmann.

Abschließend erläuterte Schönberger einige Lösungsansätze. Besonders erfolgreich seien Besuche von interessierten Schülerinnen und Schülern in den Handwerksunternehmen vor Ort, die von einem Ausbildungs-Coach der Kreishandwerkerschaft mit Herz und Hand begleitet werden. 
Auch enge Kooperationen etwa mit den Jugendfeuerwehren vor Ort seien ausgesprochen erfolgreich: Die Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe wurde dafür in 2018 mit der Florians-Medaille der Jugendfeuerwehr NRW in Gold ausgezeichnet.

BU:

Detlef Schönberger (r., Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe) stellte beim Treffen des Rotary-Clubs Soest-Lippstadt die aktuelle Problemlage im Handwerk vor. Rotary-Präsident Jörg Rogalla freute sich über das Referat und die intensive Diskussion der Rotarier.